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Newsletter 09/10

Metaanalyse über Antioxidantien in neuem Licht




Metaanalyse über Antioxidantien in neuem Licht

Im Februar 2007 publizierten Goran Bjelakovic von der Cochrane Gruppe und Team eine Metaanalyse, die belegen sollte, dass Supplementationsstudien mit Antioxidantien eine erhöhtes Mortalitätsrisiko durch Antioxidantien zeigten (1). Bereits damals wurde diese Publikation mit Kritik überhäuft (wir berichteten).
Nun haben es sich jedoch führende Antioxidantienforscher wie Hans-Konrad Biesalski und Jeffrey Blumberg zur Aufgabe gemacht, die gleichen Daten wie Bjelakovic et al. unter neuen Gesichtspunkten zu untersuchen (2). Sie wählten einen Zugang mit einer qualitativen Bewertung anstatt reiner Mathematik ohne Berücksichtigung der speziellen Natur von Nährstoffen. Dabei kommen sie zu erstaunlichen Ergebnissen, die die Antioxidantiensupplementation in einem völlig anderen Licht darstellt. Einerseits zeigte sich, dass 36% dieser Studien positive Ergebnisse aufwiesen, 60% neutral ausfielen und nur in 4% von negativen Ergebnissen gesprochen werden konnte. Andererseits konnten sie noch einmal die Schwächen der Bjekalovic-Metaanalyse klar aufzeigen:

  • Hinweis, dass keine einzige dieser Studien die Mortalität als primären Endpunkt hatte
  • Ausschluss von Studien, in denen keine Todesfälle vorkamen (!)
  • Einschluss auch von kleineren Studien mit nur wenigen Todesfällen
  • Berücksichtigung auch von Todesfällen, die nur wenige Monate nach Beginn der Supplementation auftraten (!)
  • Kombination verschiedener Nährstoffen unterschiedlichen Formen mit einem grossen Spektrum von Dosierungen in völlig unterschiedlichen Populationen mit verschiedenen Gesundheitszustand
  • Missklassifizierung von Studien als solche mit hoher Fehleranfälligkeit
  • Ausschluss von Studien mit Selen

Daneben weisen sie auch auf die Problematik hin, dass die Schwächen von randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs) für die Untersuchung der Effektivität und Sicherheit  von Nährstoffen oft nicht anerkannt werden (wir berichteten).

Die Autoren kommen zum Schluss, dass man aus den zur Diskussion stehenden Studien erkennen könne, dass eine Supplementation mit Antioxidantien sich besonders bei Bevölkerungsgruppen positiv auswirke, die eine Unterversorgung, wenn auch ohne Anzeichen von Mangelsymptomen, hat.

Literatur
(1) Bjelakovic G et al. Mortality in Randomized Trials of Antioxidant Supplements for Primary and Secondary Prevention. Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 2007; 297:842-857

(2) Hans K. Biesalski , Tilman Grune, Jana Tinz, Iris Zöllner and Jeffrey B. Blumberg: Reexamination of a Meta-Analysis of the Effect of Antioxidant Supplementation on Mortality and Health in Randomized Trials. Nutrients 2010, 2(9), 929-949; doi:10.3390/nu2090929